Åsa Foster – Und außerdem machen die Leute heutzutage so seltsame Dinge

Cover Åsa Foster Und außerdem machen die Leute heutzutage so seltsame DingeAlltägliche Momente

Es sind die kleinen Momente im Leben von denen Åsa Foster erzählt. Alltägliche Augenblicke, in denen wir Entscheidungen treffen, weil wir es müssen. Die meisten gehen sang- und klanglos vorüber, ohne dass wir sie überhaupt wahrnehmen, andere sind Wendepunkte und stellen unser ganzes Leben auf den Kopf. Brot oder Müsli? Anklopfen oder umdrehen? Rote oder blaue Socken? Bleiben oder gehen? Wie Sternschnuppen leuchten diese Momente in Åsa Fosters Geschichten auf und man verfolgt gespannt, wie das erzählende Ich nach ihnen greift: mal zögerlich, mal begeistert, mal resigniert, mal hoffnungsvoll.
Was dann passiert, ist immer überraschend.

Titanic

Die schwangere Agnes sucht die Nähe ihrer Kollegin Valerie. Denn Valerie hat alles, was Agnes erstrebenswert findet: einen spannenden Job, ein bezauberndes Kind und ein geschmackvoll eingerichtetes Haus im angesagtesten Viertel der Stadt. Als sich Agnes die Chance bietet, Valerie einen Gefallen zu tun, greift sie zu und erhält endlich eine Einladung zu Valerie nach Hause. Was Agnes an diesem Nachmittag von Valerie zu hören bekommt, sind allerdings alles andere als gute Ratschläge für Geburt und Wochenbett.

Erste Hilfe

Eine Siebenjährige stürzt mit ihrem Fahrrad und schürft sich das Knie auf. Wütend setzt sie sich auf eine Parkbank, um sich den Schotter aus der Wunde zu pulen. Als sie aufblickt, merkt sie, vor welchem Haus sie zufällig sitzt. Sie steht auf und klingelt, obwohl sie weiß, dass ihre Mutter das gar nicht gutheißen würde. Aber schließlich braucht sie ein Pflaster und außerdem hat sie noch nie verstanden, warum ihre Mutter so wütend auf Großvater ist.

Schädlinge

Die Kellerwohnung mit Kater hat Hamid ihm vermittelt, den Job beim Autohändler sein Onkel. Lediglich Kollege Kjell stört sein gemütliches Leben. »Wenn du etwas werden willst, musst du dafür brennen. Du musst hungrig sein«, sagt Kjell und meint dreckig, feige und gemein. Natürlich wird Kjell ihm die Schuld in die Schuhe schieben, wenn die elegante Kundin den Mercedes nach der Probefahrt nicht zurückbringt. Seit Ladenschluss sind schon Stunden vergangen, aber er wartet immer noch. Was bleibt ihm auch anderes übrig? Kurz bevor er alle Hoffnung fahren lässt, kehrt die Frau zurück und verspricht sich für seine Geduld zu revanchieren. Sie bekämpfe Schädlinge, erzählt sie, und die gäbe es in den unterschiedlichsten Ausprägungen schließlich überall.

Drei aus zehn

Dies sind nur drei von insgesamt zehn Erzählungen, die ich hier kurz angerissen habe. Jede ist ein Kunstwerk für sich, voller Raffinesse und intelligenten Beobachtungen. Alle sind in der Ich-Perspektive geschrieben, aber die Ichs sind ganz unterschiedliche Leute. Mal ist das Ich ein Kind, mal ein Familienvater, mal eine alte Frau oder ein Mädchen. Sie leben in der Stadt oder auf dem Land, sind dort aufgewachsen oder zugezogen. Manche arbeiten fast rund um die Uhr, andere haben mehr Zeit, als ihnen gut tut. Sie haben wenig gemeinsam und leben in ihrer eigenen Welt. Allein diese Vielfalt fand ich ungeheuer faszinierend.

Die Erzählungen sind so spannend und gekonnt geschrieben, dass man das Buch am liebsten am Stück durchlesen möchte. Jede Geschichte macht sofort neugierig auf die nächste, denn sie überraschen, begeistern und enthalten eine gehörige Portion Humor. Gefallen hat mir wirklich jede einzelne und das passiert mir bei einem Erzählband nur äußerst selten.

Åsa Foster
Und außerdem machen die Leute heutzutage so seltsame Dinge
Aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein und Stefan Pluschkat
ISBN 978-3-7160-2757-8
Arche Literatur Verlag

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