Anne Cathrine Bomann – Agathe

Cover Anne Cathrine Bomann Agathe

Die Dänin Anne Cathrine Bomann erzählt in ihrem Roman »Agathe« die Geschichte eines verknöcherten Psychiaters, der am Ende seines Berufslebens von zwei Frauen aus der Reserve gelockt wird.

Kurz vor Schluss

Er zählt – die Wochen, Monate, Sitzungen und Patienten, die er noch überstehen muss, bis er mit 72 endlich in den Ruhestand geht. Noch liegen achthundert Gespräche vor ihm, maximal, denn die eine oder andere Patientin sagt vielleicht noch einen Termin ab. Allein dieser Gedanke hält ihn aufrecht.

Zu seinen Patienten hat er schon lange eine mehr als professionelle Distanz entwickelt. Sie liegen auf der Couch und reden. Er sitzt hinter ihnen, hört zu und brummelt ab und an etwas Unverständliches, um zu signalisieren, dass er noch da ist. Sein früherer Wunsch, den Menschen helfen zu können, ist schon längst einer traurigen Ernüchterung gewichen. Die meisten seiner Patienten scheinen sich nicht helfen lassen zu wollen, sondern gerne zu leiden. Und so sitzt er die vereinbarte Zeit ab und zeichnet Vögel, die eine gewisse Ähnlichkeit mit seinen Patienten aufweisen.

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Alexander L. Kielland – Jakob

Cover Alexander L. Kielland Jakob
Die Geschichte eines Aufsteigers

Manche Geschichten sind zeitlos. Im Fall von Alexander L. Kiellands »Jakob« muss man sagen leider. Dass hier eine alte Geschichte neu erzählt wird, deutet sich schon auf den ersten Seiten an. Wir machen dort Bekanntschaft mit der Hauptfigur dieses Romans, einem großen, starken Bauernburschen, der eben nicht, wie der Titel des Buches vermuten lässt, Jakob heißt, sondern Tørres Snørtevold. Jakob, gemeint ist der biblische Jakob, ist Tørres großes Vorbild und das Leitmotiv des Romans.

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Mona Høvring – Was helfen kønnte

Cover Monika Hoevring Was helfen könnte
Schwimmen lernen

Mit neun Jahren lernt Laura schwimmen – nachts im Traum. Sie träumt, dass sie mit ihrer Mutter im Meer ist, von ihr gehalten und ermuntert wird. Lass dich vom Wasser tragen und vergiss nicht das Atmen, rät sie. Dann, als Laura sich sicher fühlt, lässt die Mutter sie los und Laura erwacht. Noch in der gleichen Nacht läuft Laura hinunter zum Meer und erprobt ihre neugewonnenen Fähigkeiten.

Zu diesem Zeitpunkt ist Lauras Mutter schon lange tot. Eines Sommertages, Laura ging in die erste Klasse, ist sie aus der Gartentür getreten, zum Strand hinunter gelaufen, hat einen großen Stein in die Arme genommen und ist ins Wasser gegangen.

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Niklas Natt och Dag – 1793

Niklas Natt og Dag 1793
Die Leiche im Fatburen

Wir schreiben das Jahr 1793. Während in Frankreich die Schreckensherrschaft auf ihren blutigen Höhepunkt zusteuert, zieht der Stadtknecht Mickel Cardell in Stockholm eine Leiche aus dem Fatburen. Dass ein Toter in dem stinkenden Sumpf treibt, ist an sich noch nichts Außergewöhnliches.
Höchst beunruhigen ist der Zustand der Leiche. Denn dem jungen Mann wurden zu Lebzeiten die Zähne ausgeschlagen, die Zunge herausgeschnitten und Arme und Beine amputiert. Eine Folter, die sich über Monate hingezogen haben muss – wie Cardell anhand der Wundränder feststellt.
Wer so eine Tat begeht, muss wesentlich klüger sein, als die üblichen Verbrecher – Geldfälscher, die nicht buchstabieren können oder Frauenmörder, die das Blut nicht von ihren Hämmern wischen. Nur eine Person mit messerscharfem Verstand wird so einen berechnenden Mörder stellen können – der ehemalige Jurist Cecil Winge.

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Monica Kristensen – Amundsens letzte Reise

Cover Monica Kristensen Amundsens letzte Reise
Verschollen im ewigen Eis

Am 18. Juni 1928 startete Roald Amundsen in Tromsø mit dem französischen Flugboot Latham 47-II in Richtung Spitzbergen. Es galt seinen Rivalen Umberto Nobile zu retten, der mit seinem Luftschiff »Italia« nach der Überquerung des Nordpols havariert war.
Gegen 18 Uhr sendete Roald Amundsen noch einen Funkspruch. Dann verschwand die Latham von der Bildfläche. Fortan suchten sämtliche Rettungsmannschaften nicht nur nach Nobile, sondern auch nach Amundsen.

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