Mikael Niemi – Wie man einen Bären kocht

Ein Monster wird verspeist

Wie Schwein gekreuzt mit Auerhahn soll gekochtes Bärenfleisch schmecken. Zäh soll es sein, aber gesund. Und ein Schnaps gehört auch dazu – sagt man. Jedenfalls erzählen sich das die Dorfbewohner, während ihnen bereits das Wasser im Munde zusammenläuft. Denn jetzt, da sie tatsächlich einen Bären erlegt haben, werden sie das Fleisch endlich kosten. Lange haben sie dem Tier nachgestellt und dieser Bär ist auch nicht irgendein Bär, sondern das Monster, das die Magd Hilda zerfleischt und auf bestialische Weise umgebracht hat. Das glauben zumindest die Dorfbewohner. Immerhin wiesen Leiche und Tatort entsprechende Spuren auf. Propst Læstadius hingegen ist da völlig anderer Meinung, denn die Klauen des erlegten Bären passen in Form und Größe ganz offensichtlich nicht zu den Wunden des Opfers.

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Marie Hermanson – Der Sommer, in dem Einstein verschwand

Cover Marie Hermanson, Der Sommer, in dem Einstein verschwand
Einsteins Geheimnis

Im Sommer 1923 feierte die Stadt Göteborg ihr dreihundertjähriges Bestehen mit einer großen Jubiläumsausstellung. Diverse Gartenanlagen, Kunst- und Industrieausstellungen, Restaurants, Cafés und ein Vergnügungspark luden zum Verweilen und Flanieren ein. Einer der Höhepunkte des Ausstellungsprogramms war bekanntermaßen Albert Einsteins Vorlesung in der Kongresshalle.
Was bis heute allerdings niemand weiß, ist, dass Einstein auf seiner Reise nach Göteborg verschwand. Tatsächlich war es Einstein lediglich Dank des beherzten Eingreifens dreier heute unbekannter Personen möglich, am 11. Juli auf dem Podium zu stehen und über seine berühmte Relativitätstheorie zu referieren. Diese drei Personen waren ein dreizehnjähriger Junge namens Otto und sein Esel Bella, die angehende Reporterin Ellen und der Kriminalpolizist Nils. Es ist ihre Geschichte, die Marie Hermanson in diesem lesenswerten Roman erzählt.

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Jens Henrik Jensen – Oxen – Lupus

Cover Jens Henrik Jensen Oxen Lupus
Dämonen und andere Probleme

»Wer hätte gedacht, dass das Böse so böse ist?«, mag sich mancher fragen. Für den ehemaligen Jägersoldaten Niels Oxen hingegen hält das Böse längst keine Überraschungen mehr bereit. Nach wie vor quälen ihn seine sieben Dämonen. Noch immer läuft er nachts kilometerweit durch Kopenhagens Straßen, um Ruhe zu finden. In seiner Therapie macht er kaum Fortschritte und an ein normales Arbeitsleben ist gar nicht zu denken.

Am Schwersten wiegt für Oxen allerdings das distanzierte Verhältnis seinem Sohn. Magnus soll noch nicht erfahren, zu was Menschen fähig sind. Weshalb ihm Oxen nichts von seinen Kriegserlebnissen erzählt und Magnus nicht das merkwürdige Verhalten seines Vaters versteht. In Magnus’ Augen ist Oxen der größte Langweiler des Universums – denn wer geht schon lieber in den Zoo als zu einem Fußballspiel nur weil dort weniger Menschen sind.

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Niklas Natt och Dag – 1794

Niklas Natt och Dag - 1794
Finstere Zeiten

Wir schreiben das Jahr 1794, das ebenso finster zu werden verspricht wie das Vorjahr. Gerade hat der heimliche Herrscher des Reiches, Baron Reuterholm, ein Kaffee-Verbot erlassen. Zu sehr fürchtet er die konspirativen Treffen seiner Widersacher in den Kaffeehäusern und das Gerede. Ergo konsumieren die Stockholmer, die es sich leisten können, soviel Kaffee wie sie können – in der stillen Hoffnung die Wirkung möge bis zur Aufhebung der Prohibition anhalten. Außerdem leidet die gesamte Stadt unter einer ungewöhnlichen Hitzewelle.

Ein Gespenst gibt sich die Ehre

Jean Michael Cardell versucht diese quälenden Tage möglichst zu verschlafen. Doch Durst, Hunger und Läuse lassen ihm kaum eine Chance. Und als wären dies nicht schon Widrigkeiten genug, begegnet ihm eines Abends auch noch ein Gespenst. In einer dunklen Ecke seines Treppenhauses steht plötzlich der Mann vor ihm, den er vor einem halben Jahr zu Grabe getragen hat: der Jurist Cecil Winge, mit dem er 1793 das Rätsel um den Toten im Fatburen gelöst hat.

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Steinunn Sigurdardóttir – Heidas Traum

Cover Steinunn Sigurdardottir Heidas Traum
Kein Traum

»Heiđas Traum« ist ein etwas irreführender Titel für dieses ungewöhnliche und faszinierende Porträt einer isländischen Bäuerin. Denn Heiđa ist weder verträumt noch hat sie Zeit zum Träumen.
Mit 23 Jahren hat sie den Hof ihrer Eltern samt 500 Schafen übernommen. Ein Hof, der seit dem 12. Jahrhundert bewirtschaftet wird und etlichen Ausbrüchen des Vulkans Katla getrotzt hat.

Heiđa gefällt die harte Arbeit: die Lammzeit, das Heumachen, der Schafabtrieb im Herbst, die Schur und die vielen Instandhaltungsmaßnahmen, die so ein Hof mit sich bringt. Es ist ein Knochenjob, den Heiđa aber als Privileg empfindet. Denn schließlich schuften die Leute in der Stadt genauso hart wie sie, müssen aber horrende Mieten für wenige Quadratmeter zahlen. Sie hingegen verfügt über einen sechstausend Hektar großen Garten, ist selbstständig und kann jederzeit auf ihr Quad steigen und über die Weiden brausen.

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