Tuula Karjalainen – Tove Jansson

Cover Karjalainen Tove Jansson Die BiografieLabora et amare

Arbeite und liebe – das war Tove Janssons Lebensmotto und zwar genau in dieser Reihenfolge. Gearbeitet und geliebt hat sie ihr ganzes Leben lang, auch wenn beides nicht immer einfach war. Denn so konservativ ihre Kunst sein konnte, so unkonventionell waren ihre Liebesbeziehungen. Tove Jansson tat das, was ihr wichtig war und nicht, was die Gesellschaft von ihr forderte. Sie muss in ihrer unaufgeregten Art eine faszinierende Frau gewesen sein, die weit mehr erschuf, als die weltbekannten Mumins.

Die Eltern

Toves Eltern lernten sich während des Kunststudiums in Paris kennen. Viktor „Faffan“ Jansson war Bildhauer, Signe „Ham“ Hammarsten-Jansson malte und zeichnete. Aber wie es in vielen Künstlerfamilien damals üblich war, gab Ham ihre Karriere zugunsten ihres Mannes auf. Sie kümmerte sich um die Kinder und den Haushalt und verdiente das Geld. Mit ihren Illustrationen für Postkarten und Briefmarken hielt sie die Familie über Wasser und ihrem Mann den Rücken frei. Tove lernte das Zeichnen, während sie auf Hams Schoß saß und ihrer Mutter bei der Arbeit zusah. Die Arbeiten ihres Vaters hingegen waren sakrosankt und durften noch nicht einmal abgestaubt werden.

Mit dem Pinsel erzählen

Für Tove selbst hat es wohl nie einen Zweifel daran gegeben, dass auch sie bildende Künstlerin werden würde. Wie ihre Mutter verdiente sie ihr Geld mit Illustrationen und satirischen Zeichnungen zum Beispiel für die Zeitschrift Garm. Sie malte Bilder und hatte eigene Ausstellungen. Nach und nach gelang es ihr sogar, soviel Geld mit ihren Werken zu verdienen, dass sie sich ihr geliebtes Atelier kaufen konnte, den Freiraum, den sie nie wieder aufgeben würde. Alles schien darauf hinauszulaufen, dass Bilder ihr Leben bestimmen würden. Doch schon in ihren frühen Werken kündigte sich ein weiteres Talent an, das sich später voll entfalten sollte: das Erzählen von Geschichten.

Die Mumins

Ihre bekanntesten spielen im Mumintal, das Tove während des Krieges als mentalen Zufluchtsort für sich erschuf. Mit den Mumins konnte sie sich ablenken von den Sorgen, um den Bruder an der Front und um die beste Freundin, die vor den Nazis in die USA geflohen war. Tatsächlich fanden die Geschichten um die Trollfamilie einen so großen Anklang, dass sie Tove einen Vertrag mit einer britischen Zeitung einbrachten, für die sie viele Jahre Mumin-Comics zeichnete. Später hat Tove, die sich nie als reine Kinderbuchautorin verstand, wunderbare Erzählungen und Romane für Erwachsene verfasst, wie zum Beispiel »Die Hauptrolle«* oder »Das Sommerbuch«.

Lieben, den man liebt

Ihren schriftstellerischen Neigungen zu folgen, war für Tove ebenso selbstverständlich, wie mit einem Mann in wilder Ehe zu leben oder ihre Liebesbeziehungen zu Frauen. Wenn sich für Tove etwas richtig anfühlte, dann war das so und wurde auch nicht weiter diskutiert. Anfeindungen aufgrund ihrer Homosexualität haben sie regelrecht überrascht und auch in der Kunst unterwarf sie sich keinem Diktat. Sie war von Natur aus ein Freigeist und darin vollkommen unbeirrbar.

Mehr, viel mehr, erfährt man über diese beeindruckende Frau in der Biografie von Tuula Karjalainen, die 2014 zum 100. Geburtstag von Tove Jansson erschienen ist. Tuula Karjalainen ist es gelungen, die Vielseitigkeit von Tove Janssons Leben und Werk ins rechte Licht zu rücken. »Tove Jansson. Die Biografie« ist mit seinen vielen Bildern ein Buch zum Durchlesen, Wiederlesen, Blättern und Ansehen. Und es ist eine Aufforderung, das ganze Werk von Tove Jansson zu entdecken.

Tuula Karjalainen
Tove Jansson. Die Biografie
Aus dem Finnischen von Anke Michler-Janhunen und Regine Pirschel
ISBN 978-3-8251-7900-7
Verlag Urachhaus

*in »Ein Haus mit vielen Zimmern«, edition fünf

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