Anna Grue – Privatermittler Dan Sommerdahl

Die_guten_Frauen

Alles beginnt mit »den guten Frauen von Christianssund«. Dan Sommerdahl, ein hochdotierter und smarter Werbetexter, ist aufgrund einer Depression krankgeschrieben und hadert mit seinem Leben. Selbst seine Frau Marianne und die beiden Kinder können ihm nicht aus der Krise helfen. Da wird an seinem Arbeitsplatz die Putzfrau ermordet und Dans bester Freund, Kriminalkommissar Flemming Torp, sieht seine Chance Dan aufzumuntern und gleichzeitig von seinem intimen Wissen über die Agentur zu profitieren. Er zieht Dan als Berater zu den Ermittlungen hinzu. Ein Schritt, den Flemming zukünftig mehr als einmal bereuen wird. Denn Dan leckt Blut, ermittelt reichlich unkonventionell auf eigene Faust und bringt sich und andere immer wieder in allergrößte Schwierigkeiten.
Trotzdem ist Dan mit seiner ausgeprägten Menschenkenntnis und seinem analytischen Verstand der Polizei immer einen Schritt voraus. Letztendlich müssen die Kommissare jedes mal zähneknirschend einräumen, dass sie die Fälle ohne Dan nicht gelöst hätten.  Weiterlesen

Maria Antas – Wisch und weg

Wisch_und_wegMeine Mutter hat neulich einen Umzugskarton gefunden, den ich vor 25 Jahre gepackt und nie wieder geöffnet habe. Vermisst habe ich ihn nie, weshalb ich umso gespannter war, welche Schätze ich da wohl wieder finden würde. Neugierig fing ich an zu wühlen und zu niesen. Ein paar Federn hatte sich im Laufe der Jahre in kleinste Partikel aufgelöst, die jetzt in einer bunten Wolke aus dem Karton aufstiegen. Nach einem kleinen Staubsaugerintermezzo setzte ich die Durchsuchung des Kartons fort und fand: einen alten Lippgloß mit Vanillegeschmack, Parfümproben, eine Marionette, ein Handarbeitskörbchen, einen angefangenen Häkelpullover samt Anleitung aus den 80ern und eine halbautomatische Strickliesel. Jeder einzelne Gegenstand löste ein Flutwelle an Erinnerungen und Emotionen aus. Es war wunderbar. Danach habe ich alles wieder hübsch in den Umzugskarton gepackt und ihn zurück auf den Dachboden gestellt, denn ich kann mich, wie Maria Antas, nicht von meinem Gerümpel trennen. Weiterlesen

Sólrún Michelsen – Tanz auf den Klippen

Cover_Tanz_KlippenAls Kinder haben wir manchmal Guckkästen gebaut. In einen Schuhkarton wurden Bäume, Häuser und Tiere aus Hochglanzpapier geklebt und die Seitenwände und der Boden bemalt. War die Szenerie fertig, wurde ein Loch in den Karton geschnitten, durch das man mit dem einen Auge linsten, während man das andere fest zukniff. Die Welt um einen herum verschwand. Man blickte in diese andere, selbstgebastelte Welt und malte sich aus, was dort alles geschah.

Die Geschichten von Sólrún Michelsen in »Tanz auf den Klippen« erinnern mich an diese Guckkästen. Mit jeder gelesenen und umgeblätterten Seite wirft man einen Blick in eine andere Welt, auf eine Szene, die sich auf kleinstem Raum abspielt. Oder genauer gesagt, schaut eigentlich die kleine färöische Erzählerin in einen solchen Guckkasten und beschreibt, was sie sieht.
Wie der Rauch von Fías Zigarre aufsteigt, während sie an der Nähmaschine sitzt. Die Stofffetzen und Fäden, die über dem Boden verteilt liegen und an den Nylonstrümpfen der Mutter hängen bleiben. Oder die Petroliumpumpe beim Kaufmann, die sie so gerne einmal selber bedienen würde und das Buch, in dem die Einkäufe angeschrieben werden, die die Mutter nicht bezahlen kann. Weiterlesen

Jenny Nordberg – Afghanistans verborgene Töchter

Nordberg_AfghanistanIn Afghanistan ist es ein offenes Geheimnis, dass in einigen Familien Mädchen als Jungen verkleidet aufwachsen. Für die westliche Welt ist das Phänomen der bacha posh, wie diese Kinder genannt werden, eine Überraschung und auf den ersten Blick nur schwer vereinbar mit unserer Vorstellung vom streng konservativen Afghanistan, das wir aus den Abendnachrichten kennen. Mädchen mit kurzen Haaren, unverschleiert und offenem Blick, die auf Bäume klettern und Drachen steigen lassen, das passt so gar nicht zu unserem Bild von der verschüchterten, Burka tragenden Afghanin, die das Haus nur in Begleitung ihres Mannes oder ihres Bruder verlassen darf. Und doch sind gerade die bacha posh ein Resultat des radikalen Patriarchats, wie die investigative Journalistin Jenny Nordberg höchst einleuchtend beschreibt. Weiterlesen

Heðin Brú – Vater und Sohn unterwegs

vater-und-sohn-unterwegsEigentlich ist es die ewig alte Geschichte. Die Eltern verstehen ihre Kinder nicht und umgekehrt. Die Kinder sind zu faul, nehmen das Leben zu sehr auf die leichte Schulter, denken nicht an die Zukunft und schmeißen das Geld zum Fenster raus. Die Alten hingegen gehen nicht mit der Zeit, können ihr Leben nicht genießen, sind viel zu verbissen und haben sowieso keine Ahnung. Die Platte kennen die meisten zu genüge.

Interessant und spannend wird es aber, wenn der Konflikt zu einer anderen Zeit und an einem anderen Ort ausgetragen wird, wie dies in dem Roman von Heðin Brú der Fall ist. »Vater und Sohn unterwegs« spielt Anfang der 40er Jahre auf den Färöern, als Moderne und Technik auch dort langsam Einzug halten. Weiterlesen