Anna Munch – Frauen

Cover_Munch_FrauenSeit dem modernen Durchbruch ist Skandinavien international bekannt für seine starken Frauenfiguren. Sie sind schon fast ein Markenzeichen, wie Jakob Holm, Lektor für skandinavische Literatur und Kultur an der University of Texas Anfang März in der dänischen Wochenzeitung Weekendavisen schreibt. Seine texanischen Studentinnen lesen mit Begeisterung Ibsen und Amalie Skram, weil sie dort die Konflikte beschrieben finden, die sie in ihrem eigenen Alltag beschäftigen.
Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist in Texas nicht sonderlich verbreitet, Sexualkunde und Abtreibung sind heiß diskutierte Themen und ein Selbstbestimmungsrecht der Frauen über ihr Leben und ihren Körper kaum vorhanden. Anna Munchs »Frauen« würde dort sicherlich mit Begeisterung gelesen, zumal die Autorin mit ihrem eigenen bewegten Leben auf großes Interesse stoßen dürfte. Weiterlesen

Arne Dahl – Der elfte Gast

Dahl_Der elfte GastAusgerechnet Totensonntag, den letzten Sonntag im November, hat der geheimnisvolle Briefschreiber ausgewählt, um die ehemaligen Ermittler der A-Gruppe in einem entlegenen Herrenhaus irgendwo in den schwedischen Wäldern zu versammeln. Früher wurde an diesem Datum gerne der Weltuntergang beschworen und vom Teufel und der Pest gepredigt. Jener Seuche, vor der zehn jungen Leute in Boccaccios Dekameron aufs Land fliehen und sich die Zeit mit Geschichtenerzählen vertreiben. Auch die zehn Ermittlerinnen und Ermittler der A-Gruppe sollen jeder eine Geschichte mitbringen. Und während sie sich über ihr Wiedersehen freuen und alles als einen großen Spaß betrachten, fragt sich die Leserin allmählich, wo der Krimi eigentlich hinführen soll. Auch aus Mangel an Morden. Weiterlesen

Ulla-Lena Lundberg – Eis

Lundberg_EisManche Bücher sind wie ein Abend am knisternden Kamin mit einer Tasse Tee, während draußen der Schnee wirbelt. Sie wärmen und spenden Geborgenheit. Bereits nach den ersten Seiten fühlt man sich heimisch und freut sich auf die kommenden Stunden. Genau so ein Buch ist Eis von Ulla-Lena Lundberg.

Mona Kummel und ihr Mann Petter ziehen mit ihrer kleinen Tochter Sanna auf die Örar, einer kleinen Inselgruppe zwischen Finnland und Schweden. Petter, obwohl noch nicht examiniert, wird der neue Pfarrer der Gemeinde, vertretungsweise. Kein anderer kann sich im Moment vorstellen, so weit draußen dieses Amt zu übernehmen. Und auch wenn das Pfarrhaus zugig und feucht ist und die Landschaft karg, freut sich die Familie auf diesen Neuanfang. Besonders die resolute Mona sieht die Möglichkeiten, die sich ihr hier bieten. Endlich bekommt sie ihren eigenen Haushalt, endlich ihr eigenes Vieh, endlich kann sie ihr Leben gestalten, wie sie es für richtig hält. Weiterlesen

Tove Jansson – Das Sommerbuch

Das-SommerbuchJetzt, Anfang September, wenn der Sommer bereits herbstliche Züge trägt, enden die Schulferien und alle gehen wieder ihrem gewohnten Alltag nach. Der letzte Sand wird aus den Badelaken geschüttelt, unzählige Urlaubsfotos gesichtet und abgespeichert und die Reiseführer mit einem Hauch von Wehmut ins Regal gestellt.

In Skandinavien werden die Sommerhäuser bald winterfest gemacht oder, wie Tove Jansson es in ihrem Sommerbuch beschreibt: die Dinge rücken nach und nach näher an das Haus heran. Die Gartengeräte kommen in den Schuppen, das Zelt wird abgebaut und das Boot auf dem Slipwagen an Land gezogen. Zuletzt werden die Blumenkübel ins Haus gestellt, der Schornstein entrußt und die Veranda mit Seehundfett gestrichen.
Für die sechsjährige Sophia und ihre Großmutter endet ein Inselsommer voller Spiel, Abenteuer, Entdeckungen, Erfahrungen, Heiterkeit und Melancholie. Doch zurück zum Beginn.
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Mikael Niemi – Die Flutwelle

Die Flutwelle von Mikael NiemiWer schon einmal auf einer Staumauer gestanden hat, kennt vielleicht dieses mulmige Gefühl. Man blickt die meterhohe Betonwand hinunter und beobachtet, wie sich kleine Rinnsale hinabschlängeln und in einem Bach sammeln. Auf der anderen Seite drückt der See mit seinen gewaltigen Wassermassen dagegen. Und dann beginnt das Kopfkino. Was wenn der Damm bricht? Jetzt, in diesem Moment?
Genau dieses Szenario beschreibt Mikael Niemi in seinem Roman Die Flutwelle.

Seit Wochen hat es in Nordschweden ununterbrochen geregnet. Der Boden entlang des Store Luleälven ist durchweicht und die Wälder triefen vor Nässe. Die Menschen am Fluss sind nicht begeistert, aber was will man machen, es ist halt Herbst. Daran, dass sich in den nächsten Stunden eine Katastrophe biblischen Ausmaßes ereignen wird, denkt niemand. Jeder geht seinen Alltagsbeschäftigungen nach. Weiterlesen