Ulla-Lena Lundberg – Eis

Lundberg_EisManche Bücher sind wie ein Abend am knisternden Kamin mit einer Tasse Tee, während draußen der Schnee wirbelt. Sie wärmen und spenden Geborgenheit. Bereits nach den ersten Seiten fühlt man sich heimisch und freut sich auf die kommenden Stunden. Genau so ein Buch ist Eis von Ulla-Lena Lundberg.

Mona Kummel und ihr Mann Petter ziehen mit ihrer kleinen Tochter Sanna auf die Örar, einer kleinen Inselgruppe zwischen Finnland und Schweden. Petter, obwohl noch nicht examiniert, wird der neue Pfarrer der Gemeinde, vertretungsweise. Kein anderer kann sich im Moment vorstellen, so weit draußen dieses Amt zu übernehmen. Und auch wenn das Pfarrhaus zugig und feucht ist und die Landschaft karg, freut sich die Familie auf diesen Neuanfang. Besonders die resolute Mona sieht die Möglichkeiten, die sich ihr hier bieten. Endlich bekommt sie ihren eigenen Haushalt, endlich ihr eigenes Vieh, endlich kann sie ihr Leben gestalten, wie sie es für richtig hält. Weiterlesen

Tove Jansson – Das Sommerbuch

Das-SommerbuchJetzt, Anfang September, wenn der Sommer bereits herbstliche Züge trägt, enden die Schulferien und alle gehen wieder ihrem gewohnten Alltag nach. Der letzte Sand wird aus den Badelaken geschüttelt, unzählige Urlaubsfotos gesichtet und abgespeichert und die Reiseführer mit einem Hauch von Wehmut ins Regal gestellt.

In Skandinavien werden die Sommerhäuser bald winterfest gemacht oder, wie Tove Jansson es in ihrem Sommerbuch beschreibt: die Dinge rücken nach und nach näher an das Haus heran. Die Gartengeräte kommen in den Schuppen, das Zelt wird abgebaut und das Boot auf dem Slipwagen an Land gezogen. Zuletzt werden die Blumenkübel ins Haus gestellt, der Schornstein entrußt und die Veranda mit Seehundfett gestrichen.
Für die sechsjährige Sophia und ihre Großmutter endet ein Inselsommer voller Spiel, Abenteuer, Entdeckungen, Erfahrungen, Heiterkeit und Melancholie. Doch zurück zum Beginn.
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Mikael Niemi – Die Flutwelle

Die Flutwelle von Mikael NiemiWer schon einmal auf einer Staumauer gestanden hat, kennt vielleicht dieses mulmige Gefühl. Man blickt die meterhohe Betonwand hinunter und beobachtet, wie sich kleine Rinnsale hinabschlängeln und in einem Bach sammeln. Auf der anderen Seite drückt der See mit seinen gewaltigen Wassermassen dagegen. Und dann beginnt das Kopfkino. Was wenn der Damm bricht? Jetzt, in diesem Moment?
Genau dieses Szenario beschreibt Mikael Niemi in seinem Roman Die Flutwelle.

Seit Wochen hat es in Nordschweden ununterbrochen geregnet. Der Boden entlang des Store Luleälven ist durchweicht und die Wälder triefen vor Nässe. Die Menschen am Fluss sind nicht begeistert, aber was will man machen, es ist halt Herbst. Daran, dass sich in den nächsten Stunden eine Katastrophe biblischen Ausmaßes ereignen wird, denkt niemand. Jeder geht seinen Alltagsbeschäftigungen nach. Weiterlesen

Steinunn Sigurdardóttir – Jojo

U1_978-3-498-06427-3.inddJeder dritte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs und Martin Montag kämpft dafür, dass seine Patienten ihn überleben. Siegfried, den Tumortöter, nennt ihn sein Freund Martin Martinetti.
Auch an diesem Tag starrt Martin auf Röntgenbilder, entwickelt individuelle Bestrahlungstherapien und freut sich auf den Abend mit seiner Frau Petra. Noch zwei Patienten, dann wird er Schluss machen für heute und einen kühlen Weißwein unter blühenden Kastanienbäumen genießen.

Die Heilungschancen des nächsten sind gut. Ein Speiseröhrenkarzinom, das Martin merkwürdigerweise an ein rotes Jojo erinnert. Wie passt das zu seiner Theorie, jeder Tumor habe den selben Charakter wie sein Mensch? Was hat ein rotes Jojo mit diesem jammernden Mann zu tun, der sich bitterlich über die Ungerechtigkeit seines Schicksals beklagt? Weiterlesen

Johan Theorin – Inselgrab

InselgrabIn den skandinavischen Ländern wird seit jeher die Sommersonnenwende gefeiert. In Dänemark und Norwegen brennen Sankt Hans Feuer, man hält Reden und singt Lieder. In Schweden werden Blumenkränze geflochten und um den Maibaum getanzt. Es werden böse Geister vertrieben und es wird gemordet, zumindest in Johan Theorins Mittsommerkrimi Inselgrab.

Dem alten Gerlof ist schon so mancher Geist begegnet, der sich im nach hinein als wenig übernatürlich herausgestellt hat. Nur für die Klopfgeräuschen aus dem Grab von Edvard Kloss vor 70 Jahren hat er bis heute keine Erklärung gefunden. Und so behält er auch erstmal einen kühlen Kopf als eines Nachts ein klitschnasser Junge namens Jonas vor seiner Tür steht und stockend von einem Geisterschiff mit vielen Toten und einem axtschwingenden Zombie erzählt. Auch der Geist, den Jonas immer wieder an der Röse, einem bronzezeitlichen Grab, sieht, beeindruckt Gerlof wenig. Aber er ist neugierig und er sucht Erklärungen für Jonas Erlebnisse. Weiterlesen